behind the scenes of the poorest neighbourhoods
Hinter den Kulissen der London Slums um 1870„behind the scenes of the poorest neighbourhoods“ – Hinter den Kulissen der London Slums um 1870
Ergänzend zur Dauerausstellung des DAM wird das Diorama London Slums um 1870 (Atelier Ivor und Sigrid Swain, 1985) als Einzelobjekt und vollansichtig im Ausstellungsbereich Haus-im-Haus neu präsentiert. Das Diorama ist eines von ursprünglich 23 dreidimensionalen Schaukästen. Es basiert auf einem Holzschnitt: Over London by rail des französischen Künstlers Gustave Doré aus der Druckserie London. A Pilgrimage des englischen Autors William Blanchard Jerrold (zuerst in einer Zeitschriftenserie und 1872 als Buch erschienen).
Die Modellbauer Ivor und Sigrid Swain griffen bewusst auf illusionistische Techniken aus dem Kulissenbau zurück, was eine Besonderheit dieses Dioramas darstellt – eine Eigenheit, die in der Kabinettausstellung thematisiert werden soll. Durch das gezielte Umschreiten des Modells offenbart sich dessen Konstruktionsweise in perspektivischer Verkürzung.
Das Verlassen der ursprünglich rein frontalen Ansicht, begleitet von zusätzlichen Ausstellungsobjekten, eröffnet zudem neue Blickwinkel auf Dioramen als Medien der Architekturvermittlung, die Entstehungsgeschichte der Dioramen und dem Inhalt des Modells, die Londoner Slums zu Zeiten der Industrialisierung (um 1870). Ausgestellt werden die Stiche aus dem Buch von Doré und Jerrold, Archivdokumente von Museumsgründer Heinrich Klotz, die seine Wahl des Vorbildes und Intention die „Lage der arbeitenden Klasse in England“ (Friedrich Engels) darzustellen, verdeutlichen, sowie eine Schnittzeichnung durch das Diorama zur Illustration der perspektivischen Verkürzung.
Statt einer erhöhten Ansicht in der alten Wandvitrine wird das Diorama niedriger und von allen vier Seiten sichtbar präsentiert. Auf die Weise können alle Ausstellungsbesuchenden das Modell besser sehen und eine umfängliche Einsicht in die Bauweise des Dioramas erlangen, stellvertretend für alle anderen in der Dauerausstellung. Ein Spiegel oberhalb des Modells erlaubt neue Einblicke in die zahlreichen Details, wie die Häuser der Slums und deren Bewohner*innen – gemäß dem Zitat von Jerrold „behind the scenes of the poorest neighbourhoods“.
Das Ausstellungskonzept wurde von Studierenden im Rahmen eines Seminares zur Architekturvermittlung an der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im Sommersemester 2025 erarbeitet. Zusammen mit Anne Scheinhardt haben Gernot Gleiss, Julia Harr, Sophie Kleppin und Samuel Klinge in Sitzungen am DAM und in Stuttgart rasch erkannt, dass das Diorama selbst die Hauptrolle dieser Kabinettausstellung spielen soll und es entsprechend in das Zentrum der kuratorischen Überlegungen gestellt.












