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Der DAM Preis 2026 geht an Peter Grundmann Architekten für das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin

von | Freitag, 30. Januar 2026

DAM PREIS 2026
DIE 23 BESTEN BAUTEN IN / AUS DEUTSCHLAND

Der DAM Preis 2026 geht an Peter Grundmann Architekten für das ZK/U Zentrum für Kunst
und Urbanistik in Berlin:

Die Jury zeigte sich besonders beeindruckt von der Herangehensweise, die ehemalige Lagerhalle eines Güterbahnhofs in einen einladenden Treffpunkt zu verwandeln: Das Team von Peter Grundmann Architekten hat hier in enger Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein KUNSTrePUBLIK e. V. mit überdurchschnittlich viel eigener Handarbeit sowie bescheidenem (und eingehaltenem!) Budget die vormals eingeschossige Halle mit einer leichten Stahl-Glas-Konstruktion umhüllt und um ein Geschoss erweitert. Die Räume auf allen Ebenen einschließlich Gewölbekeller und Dachterrasse sind nun flexibel nutzbar. Architektonische Standards werden hier neu definiert oder gleich über Bord geworfen. Seit 2007 werden mit dem DAM Preis jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet.

2026 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum zehnten Mal in enger Zusammenarbeit mit JUNG als Kooperationspartner vergeben.

DIE LONGLIST
Für die Longlist des DAM Preis nominiert wurden rund 100 Bauwerke aus Deutschland und – auf einer separaten Liste – acht Projekte deutscher Architekten in anderen Ländern. Die Auswahl ist das Ergebnis einer umfangreichen Recherche, an der ein Beirat aus Experten beteiligt war. Dieser bestand aus Ursula Baus, Christina Beaumont, c/o now, Lukas Fink, Florian Fischer, Florian Heilmeyer, Angelika Hinterbrandner, Christian Holl, David Kasparek, Katja Knaus, Moritz Kölling, Mario Krämer, Katharina Matzig, Eun-A Pauly, Elina Potratz, Jan O. Schulz, Something Fantastic, Heiner Stengel, Finn Warncke, Christian von Wissel und Uta Winterhager. Außerdem wurden Projekte von den Architektenkammern der Länder Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen vorgeschlagen. Grundsätzlich bestand für die Nominierung der Bauten keine Einschränkung auf eine bestimmte Bautypologie, Mindestgröße oder Bausumme. Die nominierten Bauwerke für den DAM Preis 2026 sollten zwischen Ende 2023 und Frühjahr 2025 fertiggestellt worden sein. Neu seit 2017 ist, dass alle Bauten dieser Nominierungsliste, geographisch sortiert, jährlich im Architekturführer Deutschland vorgestellt werden. Die Ausgabe 2026, von DOM publishers verlegt, ist bereits im Handel. Gleichzeitig ist die Longlist auch im Internet unter dam-preis.de einsehbar. Über die Jahre entsteht so zusätzlich ein digitales Archiv bemerkenswerter Gebäude in Deutschland.

DIE SHORTLIST
Eine Expertenjury unter dem Vorsitz der Leipziger Architektin Aline Hielscher bestimmte aus dem Feld der Longlist 21 Projekte für die engere Wahl der Shortlist zum DAM Preis 2026. Eine Auswahl von zwei Bauten deutscher Architekten im Ausland und die Sanierung und Erweiterung der Gründervilla JUNG kommen außer Konkurrenz hinzu.

Eine Konstante auch im Jahrgang 2026 bildet der hohe Anteil an Wohnungsbauten, häufig mit der Weiterentwicklung konventioneller Grundrisse für sich ändernde Lebensentwürfe. Bei den Kulturbauten setzt sich ein Trend fort: Es geht nicht mehr vorrangig darum, spektakuläre Solitäre in den (Stadt-) Raum zu stellen, sondern „Dritte Orte“ mit einem erweiterten Angebot zu schaffen. Außerdem bestätigt sich der Stellenwert zweier wichtiger Themen: Die Anzahl der Holz- und Holzhybridbauten nimmt ebenso zu wie die Bedeutung des Weiterbauens in Kombination mit Sanierungen und Umbauten. Letzteres gerne auch, um etwa aus vernachlässigten Ortszentren wieder beliebte und belebte Treffpunkte zu machen.

DIE FINALISTEN
Auf einer gesonderten Juryfahrt wurden die fünf gewählten finalen Bauensembles von der Jury vor Ort besichtigt:

ARETZ DÜRR ARCHITEKTUR – Wohnen F // 9, Modulare Nachverdichtung, Köln
ETAL. – Das robuste Haus – Mehrgenerationenhaus Görzer128, München
HILD UND K ARCHITEKTEN – Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München
PETER GRUNDMANN ARCHITEKTEN – ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
PPAG ARCHITECTS – Doppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin

DIE BAUTEN IM AUSLAND
Nicht in der Auswahl für den DAM Preis, aber seit vielen Jahren ein fester Bestandteil dieser Übersicht zur deutschen Gegenwartsarchitektur, sind die Bauten von Architekturbüros aus Deutschland in anderen Ländern: Sie befinden sich dieses Mal in Österreich und Südkorea. Peter Haimerl . Architektur und Studio Clemens Bauder haben an den Linzer Mariendom einen luftigen Pavilion mit baldachinartigem Dach gesetzt, der als Café und barrierefreie Willkommensgeste fungiert. In einem aufstrebenden Stadtteil Seouls haben behet bondzio lin architekten mit W-Mission Headquarters einen prägnanten Ort für ein Textilunternehmen in Kombination mit Cafés, Pop-up stores, Büros, Gemeindesaal und Wohnen geschaffen.

DAM PREIS 2026 – PREISTRÄGER
PETER GRUNDMANN ARCHITEKTEN ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
Dieser ungewöhnliche Bau vereint Gestaltungswillen und Können, Haltung und Gestaltung. Vorausgegangen war 2012 die Gründung des Vereins KUNSTrePUBLIK, der in einem leer stehenden Güterbahnhof in Berlin-Moabit ein breites Programm von Public Viewing über Reparaturworkshops und Nachbarschaftsmärkte bis zu Ausstellungen, Performances und Künstler-Residencies etabliert hat. Eine Erweiterung musste her. Nach der Bewilligung von sechs Millionen Euro Fördermitteln ging aus einem europaweiten Vergabeverfahren das Berliner Büro Peter Grundmann Architekten 2019 erfolgreich hervor.

Sorgfältige Fügung
Der Bau ist fein und sorgsam gefügt. Lasten werden sichtbar und ablesbar auf neuen Stützen abgetragen. Alte Wände, die nicht mehr belastet werden, durften stehenbleiben. Der Bestand insgesamt blieb unverändert. Die komplexesten Anschlüsse der Fassaden hat der gelernte Schiffsbauer Peter Grundmann nicht den Baufirmen überlassen, sondern selbst gebaut. Auch um Kosten zu sparen – die lediglich bei gut 2.000 Euro pro Quadratmeter liegen.

Ephemere Raumschicht
Die alte Lagerhalle im Erdgeschoss wurde als Hülle stehen gelassen und definiert den Veranstaltungsraum. Darunter befindet sich ein atmosphärischer Gewölbekeller mit Ausstellungsfläche und Bar. Der Bestand wird von einer ephemeren zweiten Raumschicht aus Glas und sehr wenig Stahl umfasst. Diese Hülle dient als Wärmeschutz und erreicht die energetischen Vorgaben auch ohne Dämmung. Auf der Eingangsseite bildet sie Foyer und Windfang. Auf der Gartenseite ist sie sechs Meter tief und nimmt einen Raum mit Bar auf. Das neue zweite Geschoss liegt auf einer vorgespannten Decke. Durch die zurückgesetzten Fassaden wird der Sonnenschutz hergestellt. Es entstand zudem ein breiter Laubengang, der alle Räume erschließt und dadurch eine große Nutzungsflexibilität auch im Inneren ermöglicht. Umlaufende Stahltreppen führen nach oben und verbinden beide Ebenen mit der großen Dachterrasse. Eingebettet ist das ZK/U in einen öffentlichen Park, um dessen Pflege sich der Verein kümmert.

Neu definierte Architektur
Das Gebäude überzeugt architektonisch-räumlich ebenso wie konstruktiv-ästhetisch. Es demonstriert, dass ehrliche, haptische Konstruktion und ökonomische Planung nicht im Widerspruch zueinander stehen können – sondern sich vielmehr ergänzen, um großartige Architektur neu zu definieren.

(Originaltext: Peter Cachola Schmal)

Weitere Informationen: www.dam-preis.de

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