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Herbstakademie: City, Care, Commons

Über die Herbstakademie

Ausgangspunkt der Herbstakademie ist das Neue Frankfurt, welches 2025 sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Mit demokratischem Anspruch und sozialem Engagement entstand eine Vision für ein neues urbanes Leben. Die damalige Planung wird während der Herbstakademie kritisch befragt und produktiv weitergedacht, um aktuelle Herausforderungen in Stadt- und Wohnungspolitik zu diskutieren.

City, Care und Commons: Die Herbstakademie bringt unterschiedliche Disziplinen, Perspektiven und Akteur_innen aus Wissenschaft, Stadtpolitik und -Verwaltung sowie der Zivilgesellschaft zusammen. Sie schlägt Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, um zu diskutieren, wie das Zusammenleben in Städten auch angesichts multipler Krisen gelingen kann.

Vormittags finden Seminare mit Mentor_innen statt. An den Nachmittagen bringen Exkursionen, Ausstellungsbesuche und Workshops die Gruppen zusammen und in Austausch mit den Ausstellungen und Partner_innen der Herbstakademie. Die Abende sind öffentlichen Diskurs- und Kulturveranstaltungen gewidmet.

​ERÖFFNUNG HERBSTAKADEMIE

Foto: Vlada Shcholkina​

YES, WE CARE. DAS NEUE FRANKFURT UND DIE FRAGE NACH DEM GEMEINWOHL
06.10.2025 Museum Angewandte Kunst

Die gemeinsame Führung durch die Ausstellung machte sichtbar, wie eng Fragen von Gestaltung, Fürsorge und Gemeinwohl bereits im Neuen Frankfurt miteinander verknüpft waren. Im Dialog zwischen Kuratorinnen, Architektur- und Kunstvermittlung wurde deutlich, dass historische Konzepte der Daseinsvorsorge nicht nur als Vorbilder, sondern auch als kritische Folien für heutige Care-Debatten gelesen werden können. Besonders die Gegenüberstellung von damaligen Institutionen und heutigen Versorgungslücken eröffnete neue Perspektiven auf die aktuelle Care-Krise.
Die Eröffnung schärfte den Blick für Care als zentrales Thema von Stadtgestaltung – historisch fundiert und hochaktuell.

Ausstellung: Yes_we_care

Führung mit
GRIT WEBER (Kuratorin, stellv. Direktorin Museum Angewandte Kunst)
GABU HEINDL (Architektin, Professur für Bauwirtschaft und Projektentwicklung | ARCHITEKTUR STADT ÖKONOMIE, Universität Kassel)
VALENTINA KNEŽEVIĆ (Kunstvermittlerin, Museum Angewandte Kunst)

Neues Wohnen in der Römerstadt

Siedlungsrundgang mit der ernst-may-gesellschaft
06.10.2025 Forum Neues Frankfurt

Der Rundgang durch die Römerstadt verband architekturhistorisches Wissen mit konkreter Raumerfahrung. Anhand von Wohnungsgrundrissen, Grünräumen und Alltagsinfrastrukturen wurde nachvollziehbar, wie soziale Reformansprüche baulich umgesetzt wurden. Die Diskussionen vor Ort zeigten zugleich die Ambivalenzen der Siedlung: zwischen Standardisierung und Lebensqualität, zwischen Vorbildcharakter und zeitgebundenen Lösungen. Die Römerstadt wurde als Labor sozialer Wohnkonzepte erfahrbar – mit Anknüpfungspunkten und Reibungen für heutige Debatten.

Der Abend öffnete einen Denkraum für City Care Commons als zeitgemäße Weiterentwicklung des Neuen Frankfurt.

Foto: Vlada Shcholkina

Care Walk

Foto: Vlada Shcholkina

Interaktiver Stadtspaziergang
07.10.2025 Innenstadt

In Kleingruppen identifizierten die Teilnehmenden Orte der Sorge, die anschließend bei einem Rundgang besprochen wurden. Die Bandbreite der Orte reichte dabei von Institutionen, über alltägliche Räume wie Straßenbänke, bis hin zu natürlichen Rückzugsorten wie Baumschatten. Diese Vielfalt an Perspektiven wurde im Rahmen der gemeinsamen Diskussion vertieft, wobei die Teilnehmenden nicht nur die physischen Merkmale der Orte, sondern auch die sozialen und emotionalen Dimensionen der Sorge in urbanen Kontexten reflektierten. So konnte ein umfassenderes Verständnis darüber entwickelt werden, wie Sorge in städtischen Räumen praktiziert und wahrgenommen wird.

CARE WALK mit
ELKE KRASNY (Kuratorin, Kulturtheoretikerin, Professur für Kunst und Bildung, Akademie der Bildenden Künste Wien)

Urban Care

URBANE REPRODUKTION. INFRASTRUKTUREN DES SORGETRAGENS
06.10.2025 Deutsches Architekturmuseum

Bei der Podiumsveranstaltung mit Expert_innen aus städtischer Verwaltung, Wissenschaft und urbaner Praxis wurde intensiv über die Wechselwirkungen zwischen urbanen Infrastrukturen, Fürsorge und Gemeinschaft diskutiert und dabei der Fokus auf Stadtentwicklung und Wohnen gelegt. Besondere Aufmerksamkeit galt der Frage, wie Sorgearbeit, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit miteinander verbunden werden können, um Städte als solidarische, teilhabeorientierte Räume zu gestalten. In einem Kurzvortrag von Eleonora Herder zu gemeinschaftlicher Küchenarbeit wurden verschiedene Aspekte der urbanen Fürsorge und deren Umsetzung erörtert. Die Veranstaltung stellte die Frage, wie städtische Räume für alle zugänglich und nachhaltig gestaltet werden können.

Kurzvortrag
ELEONORA HERDER (Künstlerische Leitung partnersincrime)

Eine Podiumsdiskussion mit
DORO HALBROCK (Prozessgestalter*in / UVM | Hallo: e.V.)
CAROLIN GENZ (Stadt- und Wohnungsforscherin, Post-Doc Fellow DFG-Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel“, Goethe-Universität Frankfurt)
ELKE KRASNY(Kuratorin, Kulturtheoretikerin, Professur für Kunst und Bildung, Akademie der Bildenden Künste Wien)
DIRK SCHNEIDER (Landschaftsarchitekt, Abteilungsleitung Planung und Bau im Grünflächenamt, Frankfurt am Main)
ANNE KESSLER (Leiterin des Referats Grundsatzangelegenheiten Stadtentwicklungspolitik, Baukultur, Forschung und Koordinierung beim Bundesbauministerium)

Moderation
TABEA LATOCHA (Stadt- und Wohnungsforscherin, Postdoktorandin am Institut für Europäische Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar)

Foto: Aslı Oezdemir

Alle Tage Wohnungsfrage

Foto: Vlada Shcholkina

VOM PRIVATISIEREN, SANIEREN UND PROTESTIEREN
08.10.2025 Historisches Museum Frankfurt

Im Workshopformat arbeiteten die Teilnehmenden an konkreten Forderungen für eine sozial-ökologische Wohnpolitik. Die Verbindung von Ausstellung, Diskussion und gestalterischer Praxis ermöglichte eine kollektive Verdichtung politischer Positionen. Die entstandenen Risodruck-Flugblätter fungierten als greifbares Ergebnis gemeinsamer Analyse und Positionierung.
Der Workshop übersetzte wohnungspolitische Kritik in konkrete, kommunizierbare Forderungen.

Ein Workshop mit
TABEA LATOCHA (Stadt- und Wohnungsforscherin, Postdoktorandin am Institut für Europäische Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar)
JOHANNA BETZ (Stadt- und Wohnungsforscherin, Postdoktorandin am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt)
KATHARINA BÖTTGER (Freie Kuratorin, Alle Tage Wohnungsfrage. Vom Privatisieren, Sanieren und Protestieren im Historischen Museum Frankfurt))
ANGELINA SCHÄFER (Freie Kuratorin, Alle Tage Wohnungsfrage. Vom Privatisieren, Sanieren und Protestieren im Historischen Museum Frankfurt)

Begleitet von
RisoParadiso Offm (Sandrine Jalquin, Maria Lenz, Hannah Rödel, Alicia Terry)

ALLE TAGE WOHNUNGSFRAGE
EINE SOZIALE UND ÖKOLOGISCHE BETRACHTUNG

Podiumsdiskussion
08.10.2025 Historisches Museum Frankfurt

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass ökologische Sanierung und soziale Sicherheit untrennbar miteinander verbunden sind. Unterschiedliche Akteur_innen beleuchteten Zielkonflikte, Handlungsspielräume und politische Verantwortlichkeiten. Dabei wurde klar, dass die Wohnungsfrage heute nur interdisziplinär und partizipativ beantwortet werden kann. Das Podium schärfte das Verständnis der Wohnungsfrage als soziale und ökologische Doppelaufgabe.

Eine Podiumsdiskussion mit
FLORIAN JANIK (Eine Stadt für Alle! Frankfurt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt, Mieterinitiative Carl-von-Weinberg-Siedlung)
TINA ZAPF-RODRIGUEZ (Stadträtin, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen)
GABU HEINDL (Architektin, Professur für Bauwirtschaft und Projektentwicklung | ARCHITEKTUR STADT ÖKONOMIE, Universität Kassel
MARCUS GWECHENBERGER (Stadtrat, Dezernent für Planen und Wohnen)

Moderation
PAOLA ALFARO D’ALENÇON (Professur für Städtebau und Entwerfen im internationalen Kontext, Frankfurt University of Applied Sciences)

Foto: Asli Oezdemir

NEUES FRANKFURT UND DIE MASSE ALS LÜCKE

Foto: Asli Oezdemir

ÜBERLEGUNGEN ZU EINER PLANUNGSPOLITIK DER NONSOLUTION VON SIEGFRIED KRACAUER AUS
09.10.2025 MARS, Ginnheimer Landstraße 35, 60487 Frankfurt am Main

Gabu Heindl und Drehli Robnik stellten einen radikaldemokratischen Ansatz für Stadtplanung vor, der Konflikte anerkennt und Lösungen als offene, gesellschaftlich eingebundene Prozesse versteht. Der Begriff „Nonsolution“, inspiriert von Siegfried Kracauer, fordert dabei eine kritische Auseinandersetzung mit technokratischen Lösungen und deren sozialen und politischen Implikationen. Eine anregende Diskussion mit den Teilnehmer_innen und ein gemeinsamer Abendausklang folgte.

Buchpräsentation zu: Nonsolution. Zur Politik der aktiven Nichtlösung im Planen und Bauen (adocs-Verlag, Hamburg 2024)

mit: GABU HEINDL (Architektin, Professur für Bauwirtschaft und Projektentwicklung | ARCHITEKTUR STADT ÖKONOMIE, Universität Kassel)
DREHLI ROBNIK (Essayist und Theoriedienstleister in Sachen Politik, Film und Geschichte)

Kooperative Stadtentwicklung

PLAN.SPIEL.STADT
09.10.2025 Deutsches Architekturmuseum

Die Spieler_innen schlüpften in verschiedene Rollen – von Investor_innen über Stadtverwalter_innen bis zu Umweltschützer_innen. Beim Brettspiel Plan.Spiel.Stadt (entwickelt vom DAM) wird gemeinsam die Zukunft einer Stadt gestaltet. Doch jede Entscheidung hat Konsequenzen: Welche Bauprojekte werden umgesetzt? Wo muss verhandelt werden? Wie lassen sich Konflikte lösen? Ziel ist es, eine funktionierende Stadt zu erschaffen, in der niemand auf der Strecke bleibt. Dabei konnte hautnah erlebt werden, wie Interessenskonflikte, Kompromisse und strategische Überlegungen das Stadtbild prägen. In einem einführenden Vortrag zeigte der Stadtforscher Laurenz Blaser beispielhaft Potenziale auf, Städte spielerisch zu erkunden, zu planen und wahrzunehmen.

Kurzvortrag von
LAURENZ BLASER (Urban Designer / Wir gegen den Markt | Kollektiv Raumstation)

Spielbetreuung
ANDREA JÜRGES (stellv. Direktorin Deutsches Architekturmuseum)
RUTH SCHLÖGL (Architekturvermittlerin, Referentin für Forschung und Öffentlichkeitsarbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences)

PLAN.SPIEL.STADT

Foto: Vlada Shcholkina

Kultur im Stadtraum

​Foto: Vlada Shcholkina

LEERSTAND UND DAS SCHAFFEN SELBSTORGANISIERTER KULTURRÄUME
10.10.2025 Kulturcampus

Die Workshops gaben Einblick in konkrete Praktiken kultureller Selbstorganisation. Leerstand wurde als Ressource und Möglichkeitsraum verhandelt, in dem neue Formen von Gemeinschaft und Teilhabe entstehen können. Die Beiträge der Initiativen zeigten, wie Kulturarbeit von unten Stadtentwicklung aktiv mitgestaltet und machten Kultur als treibende Kraft urbaner Transformation sichtbar.

Workshops mit
Vision31
Offenes Haus der Kulturen
Die Druckerei für Alle!

Kultur Raum Stadt

OFFENE AREALE ALS GEMEINSAME MÖGLICHKEITSRÄUME –
VOM NEUEN FRANKFURT ZUM KULTURCAMPUS?

10.10.2025 Universitätsbibliothek

Im Austausch zwischen Kultur, Wissenschaft und Verwaltung wurden offene Areale als gemeinsame Möglichkeitsräume diskutiert. Historische Bezüge zum Neuen Frankfurt verbanden sich mit aktuellen Beispielen kooperativer Kulturorte. Deutlich wurde, dass nachhaltige Kulturorte langfristige Allianzen und politische Unterstützung benötigen.

Das Podium lieferte eine Vielzahl an Beispielen und Argumenten für Kulturräume als Commons – offen, kooperativ und dadurch zukunftsorientiert.

Kurzvortrag von
MIRIAM MEURERS (Theatermacherin, Compagnie Babelabab)

Eine Podiumsdiskussion mit
HELEN BARR (Kunsthistorikerin, Kunstgeschichtliches Institut, Goethe-Universität Frankfurt)
JULIUS REINSBERG (Historiker und Referent im Kulturdezernat der Stadt Frankfurt)
PHILIPP SCHULTE (Vorsitzender Frankfurt LAB und Geschäftsführer Hessische Theaterakademie)
RENÉE TRIBBLE (Professur für Städtebau, Bauleitplanung und Stadtgestaltungsprozesse, TU Dortmund)

Moderation
ANDREA JÜRGES (stellv. Direktorin Deutsches Architekturmuseum)

Foto: Vlada Shcholkina

Abschluss City Care Commons

Foto: Asli Oezdemir

REFLEXIONEN – PERSPEKTIVEN – PERFORMANCE
11.10.2025 Gallusviertel / Gusti Kulturkiosk / Güneş Theater

Welche Impulse aus dem Jubiläumsjahr zum Neuen Frankfurt und der Herbstakademie nehmen wir für eine Stadt mit, bei der Sorge und Gemeinwohl im Zentrum stehen? Zum Abschluss der Herbstakademie haben die Seminarteilnehmer_innen einem öffentlichen Publikum im Güneş Theater ihre Prozesse und Ergebnisse präsentiert: Wodurch kann eine Koproduktion von Stadt gelingen? Was ist heute ein Lösungsansatz für das Neue Neue Frankfurt? Wie können öffentliche Räume als Commons gestaltet werden? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen den vier Elementen und städtischer Sorge? Wie können Küchen vergemeinschaftet werden? Anschließend gab es mit der Pixel Kitchen eine Urban Revue mit kollektiver Verköstigung, Kleinkunst und Performancekunst.

Zusammen mit RisoParadiso Offm (Sandrine Jalquin, Maria Lenz, Hannah Rödel, Alicia Terry) wurde ein Zine erstellt, das die Ergebnisse der Seminare präsentiert.

Care Drive

EURE WELT – EIN AUDIODRIVE
07. & 09.10.2025 Museum Angewandte Kunst

Der Audiodrive von Marc Behrens und Hannes Seidl führte die Teilnehmenden auf eine Fahrt durch die Stadt, bei der Klangwelten, Gespräche und Orte das Thema Pflegearbeit sinnlich erfahrbar machten. Bei beruhigenden Klängen, pendelte die Fahrt zwischen den Herausforderungen der mobilen Pflege und der Bedeutung von Fürsorge. Die Klänge schufen eine entspannte Atmosphäre, während die Gespräche Einblicke in die harte Realität der Pflege gaben – ein Spannungsfeld zwischen Stress und Empathie. Das Projekt regte zur Reflexion über gesellschaftliche Strukturen der Pflegearbeit an und stellte die Bedeutung von Empathie sowie die Pflege als gesellschaftlich relevante Praxis in den Mittelpunkt.

Eine Produktion von Hannes Seidl & Briefkastenfirma in Koproduktion mit dem Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main.

Foto: Asli Oezdemir

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