SCHÄTZE AUS DEM ARCHIV.8: Die Frankfurter Saalgasse. Postmoderne trifft Mittelalter

22. September 2018 - 10. März 2019 (Kabinett 2. Obergeschoss)

„Zwischen Puppenstube und Weltstadt“ titelte die Zeitschrift Bauwelt, als sie im August 1980 über die Ergebnisse des Wettbewerbs zur Wiederbebauung des Römerbergs berichtete und den Gegensatz zwischen dem Wunsch vieler Bürger nach Rekonstruktion des mittelalterlichen Stadtkerns und einem Streben nach zeitgenössischen Lösungen thematisierte. Damals wie heute wurde das Baugeschehen im Herzen Frankfurts höchst kontrovers diskutiert.

Aus dem Wettbewerb war das Berliner Büro Bangert, Jansen, Scholz und Schultes als Sieger hervorgegangen und in der Folge mit der Errichtung der großen Kultur- und Ausstellungshalle „Schirn“ beauftragt worden. Der von ihnen vorgelegte Gesamtplan für das Dom-Römerberg-Areal sah entlang der Saalgasse kleinteilige Wohnbebauung vor. Am Ende sollten hier in den Jahren 1981-86, links und rechts des großen Querriegels der Schirn, insgesamt 14 Häuser entstehen, postmodern, aber in Maßstab und Kubatur an kleinteilige mittelalterliche Bebauung angelehnt – ein modernes Pendant zu der nach historischem Vorbild neu errichteten Fachwerkzeile auf dem Römerberg. Um möglichst große Vielfalt zu erreichen, beauftragte die Stadt zwölf Architekturbüros mit Entwürfen für die einzelnen Häuser. Geeignete Partner fand man im Kreis der Wettbewerbsteilnehmer. Neben meist jungen deutschen gewann man auch arrivierte internationale Architekten wie den Italiener Adolfo Natalini / Superstudio und den Amerikaner Charles W. Moore für die Aufgabe.

Mit Ausnahme der Eckparzellen messen die Grundstücke 7,50 Meter in der Breite und sind 10 Meter tief. Die Bauvorgaben waren streng. Alle Wohnhäuser sind viergeschossig und giebelständig, viele davon mit Läden oder Büroräumen im Erdgeschoss. Man sieht betonte Sockelzonen, helle Putzfassaden, Erker und Dächer mit gleicher Traufhöhe und Firstlinie, gedeckt mit Zinkblech oder Naturschiefer. Die Planungsphase sah mehrere Workshops der beteiligten Architekten vor, in denen die Einzelentwürfe vorgestellt, weiterentwickelt und aufeinander abgestimmt wurden.

Die Saalgasse liegt abseits des hochfrequentierten Römerbergareals. Nach anfangs großer Aufmerksamkeit wurde es um die Häuser still. Die Verkehrswege rund um die Saalgasse mit ihren Querpassagen wurden und werden nicht wie erwartet genutzt. Der triste öffentliche Raum hinter der Häuserzeile lädt keinen zum Verweilen ein. Eine Neugestaltung, vielleicht mehr Grün, wäre hier wünschenswert. Ob die Belebung des Altstadtquartiers mit seinen neuen Angeboten auf Dauer auch der Saalgasse mehr Publikumsverkehr bringt, wird sich zeigen.

Die Pläne und Zeichnungen aus der Sammlung des Deutschen Architekturmuseums belegen den Ideenreichtum der Architekten. Acht der zwölf beauftragten Büros sind mit ihren Entwürfen zur Saalgasse vertreten. Mehr sieht man vor Ort. Von der „neuen Altstadt“ aus erreicht man die Häuser nach wenigen Schritten.

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 13.12.2018